Du Bist Tot – Charles Stross

Dein Name: Sue Smith. Dein Job: Police Sergeant in Edinburgh. Dein Auftrag: Herausfinden, was bei Hayek Associates, einer kleinen Softwarefirma, bei einem Einbruch gestohlen wurde. Dein Problem: Der Überfall wurde in einer Online-Spielewelt von einem Dutzend Orks ausgeführt – doch der Schaden geht in die Millionen. Je weiter du ermittelst, umso deutlicher wird dir, dass du hier auf eine hochbrisante Intrige rund um illegale Informationstechnologie und Industriespionage gestoßen bist. Und du begreifst: Dies ist kein Spiel …

Der definitive Roman über die Internet-Spielewelten, an denen Millionen von Menschen beteiligt sind.

 

 

 

“Extrem clever und extrem spannend!” — William Gibson

 

 

Leseprobe :

Wir wissen, wo Sie wohnen, wir wissen, welche Schule Ihr Hund besucht
Mail, angeblich von: recruitment@DO_NOT_REPLY.round-peg-round-hole.com Betreff: Job-Angebot für Nigel
Automatische Zusammenfassung: Job-Angebot mit leicht bedrohlichem Inhalt Spam-Gewichtung: Wahrscheinlichkeit von 70 %, aber einen Blick wert
Hallo. Wir sind die Personalagentur Round Peg/Round Hole und möchten Ihnen im Auftrag eines unserer Kunden einen Job anbieten.
Sie haben gar keine Bewerbung samt Lebenslauf bei uns eingereicht? Selbstverständlich nicht – dieser Teil gehört zu unserer Arbeit! Wir wissen alles über Sie, Nigel. Sie sind ein unterbezahlter neunundzwanzig Jahre alter Absolvent der Universität von Edinburgh mit einem Studienabschluss in Mathematik und Informatik. Seit einem Jahr und vier Monaten sind Sie bei SprocketSource angestellt, und seit drei Monaten ist eine Überprüfung Ihres Einstellungsgehalts überfällig. Ihre Programmierfähigkeiten in Zone/Python 3000 und Ihre Fachkenntnisse in dezentralen Systemen, die auf Kampfszenarios spezialisiert sind, haben Ihnen in dieser Domäne eine eindrucksvolle Reputation in WorldDEV-Foren und in HackSlashBurn-Kreisen eingebracht, aber schert sich Ihr direkter Vorgesetzter darum? Keineswegs. Bill ist das egal. Er schätzt Sie nicht so, wie Sie es verdienen. Und das hat einen bestimmten Grund.
Hier, bei Round Peg/Round Hole, durchforsten wir nicht einfach passiv langweilige alte Datenbanken voller Lebensläufe, um die Profile mit den standardisierten Stellenbeschreibungen unserer Kunden abzugleichen. Wir installieren eine Google-Box als Suchmaschine für das Intranet des jeweiligen Unternehmens, legen eine an den Suchergebnissen von Google orientierte semantische Karte™ des firmeninternen Dialogs an und nutzen unsere revolutionäre neue dezentral und unabhängig agierende JobInformant™-Technologie dazu, das Netz nach potenziellen Jobanwärtern zu durchsuchen. Und wenn wir sie gefunden haben, tüfteln wir aus, wie wir sie so motivieren können, dass sie sich bewerben.
Ein Beispiel: Sicher haben Sie sich schon gefragt, warum Ihr Chef Sie nicht beachtet. Außerdem dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass Ihre Kollegin Sonia Grissom in jüngster Zeit ungewöhnlich viele Überstunden macht. Ihnen gegenüber verhält sie sich leicht distanziert. Und derzeit hat Ihre Firma einen Einstellungsstopp verhängt.
Was Sie nicht wissen (weil Sie keinen Zugang zu unserer JobInformant™-Technologie haben), ist, dass Ihr verlogener Mistkerl von Chef mit der Ihnen unterstellten Schlachten-Programmiererin schläft und augenblicklich nach einem Vorwand sucht, Sie zu feuern und die Frau auf Ihre Stelle zu befördern. Sonia ist jemand, der alles dafür tun würde, den eigenen Arbeitsplatz zu sichern, und das sind Sie nicht. Aber Sie haben keinen Kündigungsschutz, da Sie noch keine zwei Jahre bei SprocketSource beschäftigt sind. Und kein Mensch stellt Querulanten ein, die sich selbst ins AUS geschossen haben. Sie werden zu denen gehören, die in der Industrie als aussichtslose Fälle gehandelt werden.
Am besten, Sie stellen sich der Tatsache, dass Sie bei Ihrem gegenwärtigen Arbeitgeber keine Zukunft haben.
Allerdings gibt es eine Alternative: Sie, mein Freund, sind genau die Person, nach der unserer Kunde, ein namhaftes internationales auf Spiele spezialisiertes Beratungsunternehmen, Ausschau gehalten hat. (Und falls Sie es nicht sind, werden wir Ihnen 2.000 € dafür bezahlen, dass Sie uns einen Tag lang dabei helfen aufzuklären, in welcher Hinsicht unsere Datenanalyse versagt hat.)
Ihre überdurchschnittliche Beschäftigung mit Selbstregulierungen, die durch Rückkoppelungsschleifen der Belohnung ausgelöst werden, und mit der Magie des »Fractional Reserve Banking«, der partiellen Reservesysteme, und den damit verbundenen Wundern der Kreditvergabe – für die Bill kein Verständnis aufbringt – ist Musik in den Ohren unseres Kunden. Auch Ihre übrigen Fachkenntnisse sind sehr beeindruckend. Das SatisFactor™-Paket unserer JobInformant™-Technologie hält eine Wahrscheinlichkeit von 72 % dafür gegeben, dass Sie mit dem bestehenden Entwicklungsteam unseres Kunden erfolgreich und produktiv zusammenwirken werden. Diese Quote erhöht sich auf 89 %, falls Ihr neuer Arbeitgeber auf Ihre besonderen Wünsche eingeht – das heißt: wenn er Ihnen gestattet, von zu Hause aus zu arbeiten und für den unmittelbaren Kundenkontakt einen Avatar einzusetzen. Das von uns vertretene Unternehmen ist dazu bereit. Auf dieser Grundlage hat man uns bevollmächtigt, Ihnen ein Gehalt anzubieten, das 25 Prozent über Ihrem jetzigen liegt, darüber hinaus ein großzügig bemessenes Aktienoptionspaket. Abgesehen davon gibt die Kündigung Ihrer alten Stelle Ihnen Gelegenheit, Bill derart eine reinzusemmeln, dass er daran noch Jahre zu knabbern haben wird.
Wenn Sie den Job haben möchten (oder aber für das Honorar von 2.000 € einen Tag zur Aufklärung des Fehlers bei unserem Headhunting opfern wollen), antworten Sie bitte auf diese E-Mail …
SUE
Grand Theft Automatic – Schwerer Diebstahl innerhalb des Systems
Es ist Stufe vier, verdammt nochmal. Vielleicht hätte es eigentlich Stufe drei sein sollen, aber unser telefonischer Bereitschaftsdienst hat die Sache als eher unwichtig abgetan. Zwar wurde die Sache mit höchster Dringlichkeit durchgegeben, aber der Zivilist, der das Vergehen gemeldet hat, klang so, als wäre er entweder geisteskrank, auf Drogen oder sonst wie neben der Spur – jedenfalls eindeutig jenseits des Bodens der Realität. Also hat man die Priorität von Stufe drei (»Polizeibeamte werden so schnell wie möglich am Tatort erscheinen«) auf Stufe vier gesenkt (»Irgendjemand wird innerhalb der nächsten vier Stunden vorbeikommen, um Aussagen zu protokollieren, falls wir nichts Besseres zu tun haben«) und die Notiz mit einer mysteriösen Anmerkung versehen (»Zivilist schwafelt von Orks und Drachen. Hat er einen an der Klatsche? Allerdings bestätigt Zivilist 2 die Aussage. Sind die beide durchgeknallt?«).
Doch dann hatte jemand in der Leitstelle die schlaue Idee, sich den Tatort im CopSpace anzusehen, und stellte dabei fest, dass die Anrufe aus einem ehemaligen Atombunker in Corstorphine kamen, den irgendjemand bei der Inneren Sicherheit als »interessanten Ort« gekennzeichnet hat. Daraufhin wurde Inspektor McGregor hellhörig, was dazu führte, dass es mit deinem gemütlichen Donnerstagnachmittag jetzt aus und vorbei ist.
Deine Tagschicht hat vor vier Stunden begonnen, und du warst gerade dabei, dich von zwei Wochen Nachtschicht zu erholen, in denen du nicht zuletzt die »Aufräumarbeiten« nach Schlägereien Betrunkener auf der Lothian Road und nach häuslichen Gewalttaten in Craiglockhart überwacht hast. Die Tagschicht am anderen Ende der Hauptstadt kommt dir dagegen wie ein Spaziergang vor, denn dabei hast du es mit Einsätzen völlig anderer Art zu tun, die nur selten mit Gewalttätigkeiten zu tun haben. An diesem Morgen hast du dich um zwei Ladendiebstähle gekümmert, um die mutwillige Verunreinigung von Straßen (du hast Leute aus deinem Team darauf angesetzt) und um mehrere Treffen mit Verbindungsleuten aus der Stadtverwaltung. In zwei Stunden sollst du auf der Wache im Rahmen einer via E-Mail abgewickelten Anhörung deine Aussage zu einer Einbruch-Serie abgeben, da du diesen Fall persönlich bearbeitet hast. Außerdem spielst du den Babysitter für Bob – den Polizisten Robert Lockhart, der noch in der Probezeit ist und so frisch von der Polizeihochschule kommt, dass er sich wirklich wie ein absoluter Frischling verhält. Es ist also nicht so, dass du nichts zu tun hättest, aber wenigstens macht das meiste wenig Stress.
Als Mac dich mittels IM kontaktiert, hast du gerade eine halbe Stunde im Starbucks an der Corstorphine High Street verbracht und die Zeit dazu genutzt, unterstützt von einem großen Café Latte und einem fetten dänischen Hefeteilchen (das du mit schlechtem Gewissen genießt) den fälligen Papierkram zu erledigen. Ständig nervt dich Mary wegen deines Herzens, seit ihr beide im letzten Jahr diesen blöden DNA-Test gemacht habt (»so the wee wun kens his maws ur both gawn tae be aboot fer a whiule«, hat Mary in ihrem breiten Edinburgh-Schottisch gesagt – »damit der Kleine sicher sein kann, dass seine Mütter alle beide noch eine ganze Weile da sein werden«). So wie Mary auf deiner Ernährung herumreitet, könnte man meinen, Raffinadezucker sei mit Blausäure versetzt. Dabei kannst du es dir schlichtweg nicht leisten, wegen zu niedrigen Blutzuckers zappelig zu reagieren, wenn dein Einsatz gefragt ist. Außerdem macht uns das, was verboten ist, ja gerade scharf. Also stopfst du dir die Backen so voll wie ein dementer Hamster und tippst mit einer klebrigen Fingerspitze in der Luft herum, bis sich vor der Espressomaschine plötzlich ein Fenster im CopSpace auftut.
SUE. MAC HIER.
Er benutzt einen CopSpace-Kanal, der für Ermittlungen reserviert ist, also geht es um Arbeit. So ein Mist, denkst du, während du das Formblatt abspeicherst, auf dem du deine Aussage schon halb eingetragen hast, und wechselst das Fenster.
SUE HIER. SCHIESSEN SIE LOS.
Mit böser Vorahnung musterst du den halb ausgetrunkenen Milchkaffee und wirfst Bob einen Blick aus den Augenwinkeln zu. Er zieht eine Augenbraue hoch.
HAB EINEN 4 FUER SIE. RIECHT FAUL. SCHNELLSTENS UEBERPRUEFEN.
Du schluckst krampfartig, nimmst einen Schluck des viel zu heißen Kaffees und verbrühst dir den Gaumen. Es brennt wahnsinnig, und du ahnst schon, dass die Haut sich abends schälen wird, wenn du mit der Zunge dagegen stößt.
MAILEN SIE MIR DAS TROUBLE-TICKET.
Vom Eingang her ist ein melodisches Signal zu hören, und auf deinem Desktop erscheint das Icon einer Mail.
EINSATZBEREIT, sendest du und blickst nochmals sehnsüchtig auf den Milchkaffee. »Bob? Wir haben einen Einsatz.«
»Eh, Chefin …?« Bob greift nach seinem Becher und verbirgt das, woran er gerade gearbeitet hat – vermutlich Solitaire.
»Nehmen Sie den Becher mit, kein Grund zur Aufregung.«
Während du den Coffeeshop verlässt und Bob hinter dir her stapft, speicherst du die Mail ab. Als ihr in den Einsatzwagen steigt, taucht euer Ziel, gerade noch sichtbar, als kreisender Edelstein oberhalb der Gebäude am anderen Ende der Straße auf.
Es ist nur eine kurze Fahrt von Corstorphine zum Tatort, aber sie führt den steilen Hügel von Drum Brae hinauf, der unten von Häuschen wie Schuhschachteln gesäumt wird und oben von den ratternden Gebetsmühlen der Windkraftanlagen. Als ihr auf der anderen Seite wieder hinunterfahrt, fragst du dich besorgt, ob die Karte korrekt ist. »Nach hundert Metern rechts abbiegen«, sagt sie dir, aber du kannst lediglich ein Unterholz mit urbaner Artenvielfalt erkennen. »Wie sieht der Tatort denn aus?«, fragt Bob.
»Weiß ich nicht. Der Boss hat ihn als bizarr bezeichnet.« Du spürst einen Anflug von Verärgerung. Aber es kann wohl kaum ein blöder Kollegenstreich dahinterstecken, denn auf deiner Schicht sind die Einsatzfahrzeuge heute knapp (eines ist ausgefallen). Genau in diesem Moment erkennst du eine offene Auffahrt, die in das Gehölz hineinführt, und deine Datenbrille blinkt grün auf. »Eh, blicken Sie mal zum Parkplatz hinüber, ja?«
Am Ende der Auffahrt parken mehrere Wagen, und da die Forstverwaltung keine Bentleys und Maseratis an ihre Mitarbeiter verteilt, kann man wohl davon ausgehen, dass wir hier richtig sind. Allerdings bildet das Gebäude, vor dem die Wagen abgestellt sind, einen herben Kontrast zu den Edelkarossen: Eher wirkt es wie eine öffentliche Toilette aus den 1950er Jahren als wie das Bürogebäude eines Unternehmens. Über vier nackten Betonwänden sitzt ein Fertigbau-Flachdach. Das einzig Auffällige daran ist, dass dieses Dach das Wort ASBEST! geradezu herausschreit, mit all der Kraft, die die keuchenden, von Mesotheliom verseuchten Lungen des Baus überhaupt noch aufbringen können. Vielleicht ist es ein exklusiver Schwulentreff für die Technikerszene von Start-up-Unternehmen? Kopfschüttelnd steigst du aus dem Wagen und klopfst an deinen Kopfhörer, um dein Telefon auf die Aufnahme vorzubereiten. »Kommen jetzt am Tatort an. Zeit vermerken und mit der Aufzeichnung für die Spurensicherung beginnen.« Das Gerät zeichnet sowieso schon auf (alles, was man während des Dienstes sieht, wird in der Black Box abgespeichert), aber der Voice Marker erleichtert später die Durchsuchung des Materials und sorgt dafür, dass der Vorfall in deinem Lifelog, dem Online-Tagebuch, nicht untergeht. Bob trabt wie ein eifriges Hündchen hinterher. Die Polizeihochschule hat er erst seit acht Wochen hinter sich, Hilfe! Wenigstens ist er stubenrein.
Der Eingang zum Firmengebäude besteht aus einer nachträglich eingesetzten Scheibe aus glänzendem grünem Kunststoff, die automatisch aufgleitet, sobald man sich ihr nähert. Der Empfangsraum dahinter sieht ganz und gar nicht nach öffentlicher Toilette aus. (Von wegen Schwulentreff …) Die Beleuchtung ist geschmackvoll, das Mobiliar politisch korrekt aus nachwachsenden Rohstoffen, nämlich gebeiztem Kiefernholz, hergestellt, und der leere Empfangsschalter gibt mit einem Bildschirm an, der die Ausmaße von Texas hat. Der Schirm zeigt einen schwindelerregend schnellen filmischen Streifzug durch den virtuellen Raum eines Online-Spiels, in den der Firmenname Hayek Associates PLC. eingeblendet ist. Der Empfang befindet sich unmittelbar vor einer schlichten Fahrstuhltür aus Stahl, die mit einem Lesegerät für Fingerabdrücke ausgerüstet ist. Selbstverständlich. Aber zumindest weißt du jetzt, dass sich diese Sache nicht als weiteres blödes Stadtverwaltungsproblem entpuppen wird. Die Typen hast du mehr als satt, was auch kein Wunder ist, wenn man als eine der wenigen weiblichen Kripobeamten, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen, mit denen zu tun hat.
»Irgendjemand da?«, rufst du und trittst ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Gleich darauf geht die Fahrstuhltür fast lautlos auf, ein Zivilist hastet heraus und überschüttet dich händeringend mit einem Wortschwall. »Es ist wirklich entsetzlich, meine Herrschaften von der Polizei! Was hat Sie so lange aufgehalten? Wir haben hier ein fürchterliches Chaos!«
»Ruhig Blut.« Du richtest die Datenbrille so auf ihn, dass du die ganze Person erfasst, und speicherst die Daten ab: Zivilist, männlich, hellhäutig, 1 Meter 85 groß, 80 Kilo schwer, kurzes Haar, bekleidet mit (wahrscheinlich teurem) Anzug und Hemd mit offenem Kragen, aufgeregt, aber bei klarem Verstand. Sein Alter ist schwer einzuschätzen: irgendwo zwischen fünfundzwanzig und fünfundvierzig Jahren. Er ist daran gewöhnt, das Sagen zu haben, doch im Augenblick bist du die ihm nächste Autoritätsperson, und er fällt in die unglückselige Abhängigkeit eines Zehnjährigen zurück. (Entweder das, oder er hat Angst, du könntest ihn wegen der öffentlichen Zurschaustellung von Gefühlen ohne Aufführgenehmigung in Haft nehmen.) An den Umgang mit der Polizei ist er nicht gewöhnt, wie ihm deutlich anzumerken ist – was dir einen gewissen Spielraum verschafft. »Darf ich Ihren Ausweis sehen, Sir?«
»Meinen Ausweis? Der ist, äh, unten in meinem Büro, aber ich glaube, äh, ich kann Ihnen …« Seine Hände huschen auf der Suche nach einer Tastatur ziellos hin und her. »Übrigens bin ich Wayne, Wayne Richardson, Marketingleiter.« Für Wayne Richardson, Marketingleiter, ist es eindeutig neu, Situationen nicht im Griff zu haben. Seine Mimik ist überaus komisch, so als hättest du ihn gerade auf seinen offenen Hosenstall hingewiesen, aus dem der Schwanz herausguckt. »Sie … sie sind alle im Besprechungszimmer. Wir haben auf Sie gewartet. Ich kann Sie dort hinbringen, Constable …?«
Du schenkst ihm ein Lächeln, das nicht gerade herzlich ausfällt. »Sergeant Smith von der Polizeiwache Meadowplace. Das hier ist Constable Lockhart.« Zumindest hat Richardson den Anstand, betreten zu blicken. »Irgendjemand hier hat einen Diebstahl gemeldet, aber mir ist nicht recht klar, was gestohlen wurde.« Mit einem Blinzeln rufst du nochmals das Trouble-Ticket auf: Ja. Richardson war einer der beiden Namen, die unser telefonischer Bereitschaftsdienst abgespeichert hat. Hat irgendwas von einem Tresorfach erwähnt. Von einer Box. »Wer hat bemerkt, dass etwas abhandengekommen ist? Sie selbst?«
»Äh, nein, es war das ganze kaufmännische Sicherheitsteam!« Er starrt dich mit weit aufgerissenen Augen an, als dächte er, du wolltest ihn als Lügner oder Schlimmeres bezeichnen. »Es war auf allen Bildschirmen, sie konnten es gar nicht übersehen – überall auf der Welt muss es Tausende von Zeugen des Überfalls geben!« Er deutet in Richtung des Fahrstuhls. »Derzeit findet im Besprechungszimmer eine Krisensitzung statt. Wir haben das gewaltsame Eindringen auf dem Schirm erfasst, also können Sie es sich selbst anschauen.«
Also haben sie das Geschehen auf dem Schirm verfolgt anstatt zu intervenieren oder es zumindest zu versuchen? Du schüttelst den Kopf. Manche Leute würden wirklich alles tun, um eine Haftungsklage zu vermeiden, so als wäre es schlimmer, wenn ein Einbrecher über einen Teppichläufer stolpert oder mit dem Kopf in der Mikrowelle landet, als eigene Verluste hinzunehmen. Hat der Bereitschaftsdienst vielleicht doch Recht gehabt? Haben diese Leute einen an der Klatsche? »Bringen Sie mich zum Besprechungszimmer.« Du nickst Bob zu, der die Lobby langsam einscannt, ehe er dir hinterhertrabt.
Richardson geht zum Aufzug hinüber, und dabei fällt dir auf, dass in dessen Rufknopf ein Scanner für Daumenabdrücke eingebettet ist. Wer auch immer irgendwas gestohlen haben mag, irgendwo wird es eine Logdatei, ein automatisch erstelltes Protokoll der Fingerabdrücke geben. (Und das ist von deinem Standpunkt aus wunderbar, denn es macht die Ermittlung und Aufklärung sehr viel leichter. Du siehst die saubere Lösung des Falls bereits als Silberstreifen am Horizont.) Als die Tür sich öffnet, fragst du: »Was genau ist passiert? Bitte von Anfang an. Nehmen Sie sich dafür die Zeit, die Sie brauchen.«
»Ich wurde aus der Nachbesprechung unseres Börsengangs herausgeholt, an der auch Marcus und Barry teilnahmen. Marcus ist der Hauptgeschäftsführer und Barry der Technische Leiter unseres Unternehmens. Wir haben eine Videokonferenz mit drei Zuschaltungen durchgeführt. Beteiligt waren außer uns das Team, das die Verbindung zu den Investoren von Risikokapital für Start-ups hält, und unser englischer Berater. Dann rief Linda mich heraus – sie ist für Derivate unserer Produkte und für Grenzkontrollen zuständig -, weil ihr in einer der Welten, die wir für Kensu International managen, etwas Seltsames aufgefallen war, und zwar in der im Prestige-Level angesiedelten Zentralbank von AVALON VIER. Dort ist eine Gilde von Orks eingedrungen, außerdem irgendein gottverdammter Drache, und sie haben gemeinsam die Bank ausgeraubt. Wohlgemerkt in einer Non-PVP-Area. Also beschlossen wir, Ihnen die Sache zu melden.«
Während der Fahrstuhl hält, starrst du den Marketingleiter Wayne Richardson leicht aus der Fassung gebracht an. Die Entschlüsselung seines Fachjargons kann noch warten, schließlich wird das Gespräch ja aufgezeichnet. Doch ein gewisser Name bringt bei dir etwas zum Klingeln, denn Mary hat erzählt, dass Davey sie ständig mit einem bestimmten Spiel nervt, für das er sich anmelden möchte. »AVALON VIER? Das ist doch ein Spiel, oder?«
Er schluckt und nickt. »Das ist unser Goldesel.« Vom Fahrstuhl aus betreten wir einen unterirdischen Gang. Die geriffelte Decke besteht aus riesigen Betonverstrebungen, die, wie in solchen Einrichtungen üblich, dick in gebrochenem Weiß überstrichen sind. Es ist hier auffallend kalt. Auf beiden Seiten des Ganges befinden sich Türen aus abgebeiztem Kiefernholz, an der Decke Kabelführungen und an den Wänden Plakate, die mahnen: REDEN IST SILBER, SCHWEIGEN IST GOLD. Du fragst dich kurz, ob du womöglich in irgendein Live-Rollenspiel hineingestolpert bist, vielleicht in eine nachgestellte Szenerie des Kalten Krieges. Genau in diesem Moment meldet dir dein Telefon, dass es nicht mehr online ist.
»Äh, Sarge …«, sagt Bob.
»Ich weiß«, murmelst du. Du musst wohl zu tief unter der Erde sein. Vielleicht verfügen sie hier auch gar nicht über öffentlich zugängliche Bandbreite. Du zwingst dich, die Sache leichtzunehmen. »Die Übertragung ist hier schwach«, teilst du Richardson mit. »Kann sein, dass ich sogar einen Kuli zum Mitschreiben benutzen muss.« Du holst das Telefon zur offiziellen Spurensicherung heraus. »Also werde ich Ihre Aussage vielleicht zusätzlich mitschreiben und es langsamer angehen müssen. Beginn der Zeugenaussagen. Bin am Tatort«, du rasselst die Referenznummer des Falls herunter, die in deinem Augenwinkel aufblitzt, »um die Aussage des Marketingleiters Wayne Richardson zu protokollieren.«
Er führt dich den Gang hinunter, auf eine offene Tür zu, durch die du erhobene Stimmen hören kannst, Leute mit affektiertem Akzent, die einander erregt ins Wort fallen. Rechts und links der Tür stehen in großen Töpfen zwei Gummibäume, leicht verwelkt, obwohl sie mit LED-Tageslichtspots angestrahlt werden. »Ähm.« Als du dich räusperst und den Kopf durch die Tür streckst, weicht das Gespräch im Sitzungszimmer einer bedeutungsschweren Stille. Bob, der hinter dir steht, hat inzwischen beide Handkameras und die Kopfkamera herausgeholt, sondiert damit den Raum und wirkt dabei wie eine Mischung aus einsamem Revolverheld und prominentengeilem Paparazzo. Auch das ist Polizeiarbeit, aber keine, wie dein Vater sie kannte. Später musst du dir Bob vorknöpfen und ihn daran erinnern, dass er kein Kameramann ist, sondern Polizist.
ELAINE
Abgekartetes Spiel
En garde!
Du stehst im Mittelschiff einer Kirche aus dem siebzehnten Jahrhundert, deren kunstvoll gearbeitete Steinreliefs in schwaches Kerzenlicht getaucht sind. Den rechten Fuß hast du vorgesetzt, das Knie leicht gebeugt, und unter den Zehen deiner von Hand genähten Lederschuhe spürst du die sanft gewölbte ausgetretene Steinplatte. Du hast den rechten Arm erhoben und die Hand so ausgestreckt, als wolltest du eine Schusswaffe, deren Laufmündung zum Dach des Westflügels weist, schräg über den Brustkorb hinweg auf jemanden richten. Mit der linken Hand stützt du die rechte, als hieltest du eine schwere Pistole. Schwere Pistole trifft es ganz gut, denn das Langschwert mag zwar aus Stahl sein und mehr als einen Meter lang, wiegt aber nicht mehr als ein Colt Python und ist so austariert, dass es dir wie eine Verlängerung deiner Fingerspitzen vorkommt.
Du stehst vor einem Mann, der gleich versuchen wird, dich zu töten. Er trägt zum Schutz eine Kevlarweste und darüber eine schwarze Motorradjacke, an der Bleigewichte befestigt sind, Jeans, Doc-Martins-Stiefel und einen Helm, dessen glänzende Außenhülle mit mehreren Kameraobjektiven versehen ist. Wie du ist er mit einem Langschwert im Stil des fünfzehnten Jahrhunderts bewaffnet. Die stählernen Querverstrebungen oberhalb des Knaufs schützen seine Hände, die er genau wie du hochstreckt. Er wirkt wie ein Baseballspieler, der zum Schlag ausholt. Allerdings siehst du seine Motorradjacke und die Stiefel gar nicht, da du, so wie dein Gegner, ein Visier trägst, das dein ganzes Gesicht bedeckt. Dein Helm ist mit einer halbverspiegelten Glasscheibe ausgestattet, auf die Informationen projiziert werden. Auf diesem Schirm erscheint der Mann als jemand, der einen maßgehämmerten Mailänder Stahlharnisch trägt – was in der Renaissance einem modernen Kampfpanzer entsprach.
»Versuchen wir’s nochmal«, bietest du ihm angespannt an.
»Klar.« Er wippt leicht auf den Fußballen, und einen Moment lang hast du das absurde Gefühl, dass er gar kein Schwert hält, sondern einen Kricketschläger, den er mit dem falschen Ende nach oben streckt.
»Deine Mutter trägt Kampfstiefel!«
Du bist dir nicht sicher, ob das die angemessene Beleidigung für einen Kampfpanzer des späten fünfzehnten Jahrhunderts ist, aber er fasst die Worte so auf wie beabsichtigt. Noch wichtiger ist, dass er gemerkt hat, dass du deinen Griff verändert und die Schwertspitze gesenkt hast. Sofort greift er dich an, und das keineswegs raffiniert. Er holt nur schräg aus und kreiselt vorwärts, um dir ein Stück aus den Rippen zu schneiden.
Natürlich hast du genau das erwartet, als du dein Handgelenk verdreht hast. Du senkst die Schwertspitze, umfasst die Klinge mit der linken Hand und fängst seinen Schlag so ab, dass beide Waffen klirren. Er versucht mit der linken Hand zu parieren, aber du drehst dich weiter herum, hebst die Schwertspitze – jetzt setzt du dein Schwert wie einen kurzen Degen ein – und rammst sie ihm wie einen anderthalb Kilo schweren Dosenöffner in die Achselhöhle, während du sein Knie mit deinem linken Fuß umklammerst.
Im Unterschied zu einem modernen Kampfpanzer kann die alte Version auf den Hintern fallen. »Autsch! Verdammt nochmal. Der Punkt geht an dich, Gnädigste.«
»Hab die Schlagader an deinem Oberarm erwischt«, bemerkst du und holst tief Luft, während du zusiehst, wie helles virtuelles Blut aus ihm herausschießt. Du trittst einen Schritt zurück, genau wie dein Gegner, als er sich wieder aufgerappelt hat. Beide senkt ihr eure Schwerter. »Woher wusstest du von den Kampfstiefeln?«
Hoppla. »War wohl ein Zufallstreffer.«
»Oh, ich dachte, du hättest meine Mutter vielleicht gekannt.« In seiner Stimme schwingt Enttäuschung mit, aber der versiegelte Helm gibt nichts von seiner Mimik preis.
»Nein, leider nicht.« Wegen der Anspannung der letzten Minuten klopft dein Herz immer noch heftig. Ein Gefecht von dreißig Sekunden kommt einem wie ein halbstündiges Training in der Sporthalle vor oder auch wie ein dreistündiges Brüten über einem schwierigen Spreadsheet. Doch schließlich siegt die Neugier und du fragst, obwohl du dabei ein schlechtes Gewissen hast: »War sie ein Grufti oder ein Hippie?«
»Weder noch. Sie hatte mit den Army-Leuten zu tun.« Sein Fuß schnellt vor, und sein Schwert fährt seltsam zuckend nach oben. Und ehe du dein Standbein wechseln kannst, spürst du einen so heftigen Schlag auf die Schulter, dass dir klar ist, er hat dich entwaffnet. Du hättest buchstäblich deinen Arm verloren, wäre dies der Ernstfall und das Schwert scharf. »Ähm, ich meine, sie war ein Fan der Army. Der Band New Model Army aus Bradford, diesen leicht esoterischen Öko-Militanten.«
»Ich weiß, wer die sind«, blaffst du ihn an, trittst zwei Schritte zurück und reibst dir das Schlüsselbein, das nicht so gut gepolstert ist, wie es sein sollte, und deshalb höllisch schmerzt. »Und zeig mir doch gleich mal, was du da eben gemacht hast.«
In den nächsten Tagen darfst du zur Arbeit keine Spaghettiträgerhemdchen anziehen. Das nervt dich ein bisschen, denn auf das Bügeln von Blusen kannst du gut und gern verzichten. Und es macht dich auch nicht gerade glücklich, dass Mike dich eben erwischt hat. (Neulich hast du nämlich mitbekommen, wie er einer Anfängerin erzählt hat: »Sie hat Reflexe wie ein superschneller Windhund auf Speed« und bist tagelang wie auf Wolken geschwebt. Das mit den Reflexen stimmt zwar, aber Mike hat eine größere Reichweite und eine stärkere Oberkörpermuskulatur als du, und wenn du dich ablenken lässt, zeigt er dir sofort, was dieser mittelalterliche Kampfpanzer alles mit dir anstellen kann.) »Komm, wir überlassen den Paukboden jetzt anderen.«
Du ziehst dich zum Gestühl links vom Gang zurück, steckst dein Schwert in die Scheide und befreist dich von deinem Kopfschmuck, während Eric und Matthew euren Platz einnehmen und über irgendetwas Obskures witzeln, das mit der Arbeit zu tun hat. Du verlässt den haptischen Raum und ziehst deine Datenbrille ab, die Mike ständig im Körperpanzer projiziert hat. Jetzt nimmt er wieder sein alltägliches Aussehen an: das eines Motorradfahrers, dem der Kopf eines Borgs aufgepflanzt wurde. Als er schließlich auch die abgenutzte Spielmaske von Nokia abstreift, kommen ein verschwitzter brauner Pferdeschwanz und das Gesicht eines Mittdreißigers zum Vorschein. Er schüttelt den Kopf, vermutlich deswegen, weil er dich zum ersten Mal seit sechzig Minuten nicht mehr als eine mit einer mittelalterlichen Hiebwaffe ausgerüstete Femme fatale im Reifrock erlebt, sondern wieder so sieht, wie du wirklich bist. (Und dieses Kopfschütteln ist nicht gerade schmeichelhaft, oder? Du magst zwar kein Übergewicht haben, aber gib’s zu, meine Liebe: Fälschlicherweise halten die Menschen dich oft für eine Bibliothekarin. Und du arbeitest zwar mit Büchern, hast jedoch nicht gerade mit dem Verlagswesen zu tun.)
»Gerade hab ich überlegt, ob du mir wohl einen Rat geben kannst, Elaine«, sagt Mike, während er sich auf die gnadenlos harte Sitzbank fläzt.
»Geht’s um Trainingstechniken?« Skeptisch ziehst du eine verschwitzte Augenbraue hoch, denn Mike beschäftigt sich schon viel länger mit dieser Kampfart als du, schon seit der Zeit, als Augmented-Reality-Spiele und Online-Live-rollenspiele noch gar nicht auf dem Markt waren. Praktisch schon seit der Steinzeit, als du entweder historische Szenen in Kostümen nachspieltest oder dich in realem Kampfsport übtest (und niemals gedacht hättest, dass man beides miteinander verbinden kann). Und mal abgesehen von deinen geschmeidigen Windhund-Reflexen, ist Mike einfach besser, als du je sein wirst. »Ich nehme an …«
»Hat damit nichts zu tun«, beginnt er zögernd. »Es geht um meine Autoversicherung.« Da fällt bei dir der Groschen. Hin und wieder bekommst du solche Anfragen. Dabei kannst du dich noch glücklich preisen, dass du kein Rechtsanwalt, Arzt oder dergleichen bist – Leute, die damit sicher überhäuft werden. »Solche Gebiete bearbeite ich nicht«, rufst du ihm ins Gedächtnis.
»Tja, weiß ich. Aber hab ich dir schon erzählt, dass Sally letzte Woche einen Auffahrunfall auf der M25 hatte? Sie ist dem anderen draufgefahren.« (Sally ist Mikes Angetraute – eine Frau, deren Blond aus der Flasche kommt und die nach mittlerem Management aussieht. Mit leicht resignierter Verachtung duldet sie es, dass Mike einmal in der Woche mit den Kumpels um die Häuser zieht. Mike und Sally müssen wohl irgendetwas ineinander sehen, aber …) »Jetzt haben wir die Rechnungen für das Abschleppen und die Reparaturen bekommen. Außerdem macht der Fahrer des anderen Wagens Arztkosten geltend. Aber Sally schwört, dass ein dritter Wagen beteiligt war und einfach abgehauen ist.«
Du hast das dumpfe Gefühl, bereits zu wissen, was jetzt kommt, aber du kannst Mike nicht einfach hängenlassen, also beschränkst du dich auf ein unverbindliches »Hm?«
Eric und Matthew haben sich auf dem Paukboden vor euch aufgebaut und regen sich kaum; nur gelegentlich beugen sie Ellenbogen und Knie. Sie verzichten auf den verbalen Schlagabtausch, den du ebenso wie Mike schätzt. Auch zwei andere wollen trainieren und wärmen sich in der Sakristei schon mal auf. Aus Joes Wummerbox dröhnt irgendwelche obskure Industriemusik aus Belgien – monoton hämmernde Begleitmusik zu ihrem Gejammer über den Arbeitstag im Büro.
»Es war kurz vor dem Autobahnkreuz neunzehn. Sally fuhr mit rund neunzig auf der Schneckenspur Richtung Heathrow, direkt hinter dem Kerl, dem sie draufgefahren ist. Es waren dort zwar keine Laster unterwegs, trotzdem war der Verkehr sehr dicht. Wie Sally sagt, hat ein weißer Kleinbus, Marke Optare, beide Wagen überholt, sich dann vor den BMW gesetzt und scharf abgebremst. Und als sie auf der Standspur hielt, war von dem Kleinbus nichts mehr zu sehen.«
»Hm.« Vorsichtig legst du dein Schwert nieder und schiebst es unter die Bank, damit niemand darüber stolpert. »Bis jetzt hast du noch nicht von einem abgekarteten Spiel zwischen dem Kleinbus und dem BMW zwecks Versicherungsbetrug gesprochen, aber das geht dir durch den Kopf, stimmt’s?«
»Ja.«
»Wie hoch ist der Schaden?«
»Na ja, Sally hat schon sechs Punkte wegen Verkehrsvergehen und letztes Jahr auf einem Parkplatz einen Wagen gestreift. Wenn wir das jetzt einreichen, verlieren wir den ganzen Versicherungsrabatt für unfallfreies Verfahren, und das wird uns rund achthundert extra pro Jahr kosten.«
»Autsch.« Dein verletztes Schlüsselbein pocht voller Anteilnahme mit. Inzwischen ist Autofahren ein teurer Spaß, selbst wenn man den Liter Diesel zu fünf Euro nicht einrechnet und darüber hinwegsieht, dass auf den Autobahnen alle zweihundertfünfzig Meter Kameras zur Geschwindigkeitsüberwachung aufgebaut sind. Die Versicherungen versuchen die Autofahrer zu schröpfen, um die Verluste auszugleichen, die sie im Zuge von Flutkatastrophen eingefahren haben. »Wo bist du versichert?«
»Bei der Nationwide.«
Na ja, das ist ein Glück. Denn die Nationwide ist eine altmodische Genossenschaftsversicherung und kein Web Server, der alles auf Kreditkartenbasis abwickelt, einer zwielichtigen Dotcom-Firma gehört (Motto: »In der Regel haften wir für gar nichts«) und aus dem Hinterzimmer eines Cybercafés in Lagos heraus operiert. »Bloß gut. Für was will der BMW-Fahrer euch denn drankriegen?«
»Er will allein sechzehntausend für die Reparaturkosten. Und dabei ist es nicht mal ein neuer Wagen. Sally schätzt ihn auf zehn Jahre. Hinzu kommen zweitausend fürs Abschleppen und – das wird dir gefallen
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)




Wenn euch das gefallen hat dann scheut euch nicht uns eine E-Mail zu schreiben oder diesen Beitrag zu kommentieren, zu voten uns bei Facebook oder Twitter zu folgen und uns weiterzu empfehlen! Natürlich und vor allem auch wenn euch das nicht gefallen hat. 

In diesem Sinne bis später ! 

 


Kommentar verfassen